Buch Zwei

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berechnet das Este-Pflegeheim in Buxtehude für sechs Mahlzeiten am Tag. Ganz schön wenig. Trotzdem werden Milliarden mit der Pflege verdient. Wie kann das gehen?

Von Ann-Kathrin Eckardt und Kristiana Ludwig, Fotos: Natalie Neomi Isser

Der Abschied kommt nach 15 Jahren plötzlich, aber keineswegs schmerzlos. An einem Morgen im Mai 2015 steigt Pflegeheimleiterin Regina Härtel-Lenssen in Buxtehude in den Zug, fährt 200 Kilometer nach Flensburg, nichts ahnend. Der Geschäftsführer hat die Leiter der Agitalis-Pflegeheime zu einem Meeting geladen. Im Konferenzraum der Flensburger Zentrale, so erinnert es Härtel-Lenssen, kommt der Geschäftsführer schnell zur Sache: Die Firma sei verkauft, danke für die gute Zusammenarbeit, auf Wiedersehen.

Axel Hölzer betritt den Konferenzraum. Der Geschäftsführer der Dorea-Pflegeheimkette hat Agitalis gekauft. 520 Betten, 500 Mitarbeiter und vier geschockte Heimleiterinnen sind jetzt sein.

Egal ob in Flensburg oder Frankfurt – fast täglich wechselt irgendwo in Deutschland ein Pflegeheimbetreiber, eine Pflegeheimimmobilie oder auch gleich eine ganze Pflegeheimkette den Besitzer. Vor zwei Jahren etwa übernahm der französische Altenheim- und Klinikbetreiber Korian den drittgrößten deutschen Pflegeheimbetreiber Casa Reha. 2017 erwarb das US-Finanzunternehmen Oaktree Hamburgs größten privaten Anbieter für stationäre Pflege, „Pflegen & Wohnen“, und die Berliner Vitanas-Heimkette. Ende Februar verkaufte der US-Finanzinvestor Carlyle seine Alloheim-Kette nach nur fünf Jahren an Nordic Capital, eine andere globale Fondsgesellschaft. Die Aufzählung ließe sich lange fortsetzen. Denn im ganzen Land lösen Pflegeheime bei Investoren gerade das aus, was sie bei alten Menschen meist nicht erwecken: Glücksgefühle. Käufer aus aller Welt, aber auch deutsche Kleinanleger sind bereit, Milliarden in den deutschen Pflegemarkt zu investieren – allen Negativ-Schlagzeilen und Pflegeskandalen zum Trotz.

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