Geh weg!

Auf dem Gehsteig wird längst nicht mehr nur gegangen, sondern auch gesessen, geradelt, geschoben – und neuerdings auch elektrisch gerollert. Über eine neue Form des Verteilungskampfes in deutschen Städten.

6 Minuten Lesezeit

Texte von Violetta Simon und Beate Wild,
Illustrationen von Jochen Schievink

Der Gehweg hat seinen Namen im Grunde gar nicht mehr verdient. Von ungezwungenem Flanieren oder gar zügigem Vorwärtskommen kann, zumindest im urbanen Raum, keine Rede sein. Vielmehr gleicht die Fortbewegung auf deutschen Bürgersteigen einem Hindernisparcours, ständig muss der Fußgänger ausweichen: hier der Freischankfläche eines Lokals, dort den Auslagen der Gemüse- und Blumenhändler, daneben einem Dutzend wild geparkter Leihfahrräder, und dann muss er noch Kinderwagen, Parkuhren, Mülltonnen, Wahlplakate, Hunde, Baustellen und das „Urban Gardening“-Projekt der Nachbarn umkurven. Und weil das noch nicht genug ist, sind seit einem Monat auch noch bundesweit die Elektro-Scooter am Start. Doch so viel Spaß der kleine Roller den Fahrern auch bringen mag, auf dem Gehweg hat er nichts zu suchen, jedenfalls nicht, solange er fährt. Die Polizei berichtet dieser Tage vielerorts von zahlreichen Verstößen und Trunkenheitsfahrten. Kein Wunder, dass es angesichts dieser Gemengelage auf deutschen Gehwegen mitunter ruppig zugeht. Es muss ja nicht gleich so eskalieren wie neulich im unterfränkischen Sennfeld. Dort warf eine Radfahrerin nach einem Streit, wer ausweichen muss, den Kinderwagen einer jungen Mutter um.

Für Friedemann Goerl, der in Leipzig als Deutschlands einziger hauptberuflicher Fußgängerbeauftragter arbeitet, ist die zunehmende Aggression eine Folge der Verdichtung und nichts anderes als ein Verteilungskampf. „Immer mehr Menschen zieht es in die Großstädte, der Platz aber bleibt derselbe“, sagt Goerl. Und am Ende schaut jeder selbst, wie er sich seinen Platz im Gewusel erkämpft. Eine Bestandsaufnahme.

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