Burg der Geheimnisse

Der Kreml gilt als Synonym für unbeschränkte Macht. Aber was verbirgt sich hinter den Mauern und Türen?

Von Frank Nienhuysen

Natürlich, es gibt die feinen Lüster, Marmorsäulen und goldbeschlagene Türen, Konferenzsäle und erdrückende Mauern, aber den Kreml kann man auch so empfinden: als zauberhaften Spielplatz. Tamara Sobolewa spürte wenig von all dem Mythischen und Mächtigen, sie war ein Kind und versteckte ihre Puppen eben in den Nischen des Großen Kreml-Palastes, kroch fröhlich in die Zarenkanone, spielte Fangen im Schatten goldener Kuppeln und italienisch anmutender Mauertürme.

Für Tamara Sobolewa ist der Kreml der Ort ihrer Kindheit gewesen. Vor einigen Jahren erzählte sie der SZ, dass sie im Kreml an der Großen Kommunistischen Straße wohnte, erster Stock, Dusche im Gang. Ihr Vater hatte als Chauffeur die Witwe von Lenin gefahren. Sobolewa lebte im Kreml, bis sie zwölf war, Anfang der Dreißigerjahre war das. Sie spielte mit Stalins Sohn und stritt mit ihm. Kinder eben. Aber wenn der Diktator mit dem abgedunkelten Wagen in den Hof fuhr, wurden sie verscheucht. Als Stalin immer misstrauischer wurde, warf er viele Familien hinaus und machte die berühmte Festung zur Sperrzone. Auch Sobolewa musste gehen. Sie sagt, „nie hatte ich das Gefühl, der Macht wirklich nahe zu sein.“

Was geschieht hinter diesen Türen? Für vier Jahre überließ Putin seinem Parteifreund Dmitrij Medwedjew den Amtssitz im Kreml.

Natalia Kolesnikova/dpa

Was geschieht hinter diesen Türen? Für vier Jahre überließ Putin seinem Parteifreund Dmitrij Medwedjew den Amtssitz im Kreml.

Wie sollte ein Kind den Kreml auch begreifen? Diese unübersichtliche Bastion, mehr als acht Jahrhunderte alt, den Launen von Großfürsten, Zaren, Sowjetführern und Präsidenten unterworfen. Ort von Krönungen und Enthauptungen, Plünderungen und Palastintrigen, Folter und Feuersbrünsten, prächtigen Bällen und künstlerischer Schöpfung, üppigen Empfängen und frommen Ostermessen. Der Kreml ist eine penibel katalogisierte Truhe voller historischer Kunstschätze, Moskaus größte Touristenattraktion, streng bewacht und auch deshalb voller Geheimnisse. Existiert hier nun eine unbekannte Metro für die Herrschenden? Wenn ja, wohin fährt sie? Niemand da, der das je öffentlich beschwören würde.

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